SchokoFair zum Weltkindertag

Foto: Rolf Purpar

Am Weltkindertag waren die Schokofairs zum „Treff 118“ In Düsseldorf eingeladen.
Regelmäßig referieren hier Experten vor einem interessierten Publikum über Themen der Zeit. Diesmal waren Kinder als Experten in Sachen Kinderrechte eingeladen.

Schokofair, ein Schülerprojekt der Maria Montessori-Gesamtschule Düsseldorfs, hatte sich fachlich durch viele Auszeichnungen (u.a. als zweimaliger WDR-Kinderrechtepreisträger, gewählter UNICEF Junior Botschafter Deutschlands und als Düsseldorfer des Jahres) empfohlen.

Hier die Kurzfassung des Referats:
Die Schüler und Schülerinnen referierten über ihre mehrjährigen Recherchen. Schokofair fand heraus, dass sich die missbräuchliche Kinderarbeit und sogar Kindersklaverei auf den Kakaoplantagen Westafrikas leider nicht verbessert hat! Dass Kinder für unsere Schokolade schuften ist eine traurige Wahrheit. Grund dafür ist der viel zu niedrige Kakaopreis, der durch aktuelle Spekulationen an der New Yorker und Londoner Börse aktuell ein 8-Jahrestief erreicht hat.

Der Managing Director Samuel Adimado von der größten Kakao-Kooperative Ghanas (Kuapakokoo) Samuel Amado hatte bei seinem Besuch des Schülerprojekts in diesem Sommer den Schülern berichten können, dass vor wenigen Jahrzehnten Kinderarbeit die Ausnahme war. 1980 bekamen nämlich die Kakaobauern für eine Tonne Kakao noch ca. 5000 US-Dollar.

Die großen Schokofirmen und Großhändler haben aber den Preis immer mehr drücken können, so dass heute der Kakaopreis an den Börsen aktuell unter 2000 US-Dollar pro Tonne liegt. Der Durchschnittsverdienst eines Kakaobauern liegt in den Hauptkakaolieferländern Elfenbeinküste und Ghana bei nur 50-80 Cent pro Tag. Die Weltbank setzte die Armutsgrenze bei 1,90 US-Dollar pro Tag. Die Folge ist eine millionenfache Armut, die die Kakaobauern geradezu zwingt, in der Regel Kinder bei den Ernten schuften zu lassen, denn erwachsene Erntearbeiter sind meist zu teuer. Samuel Adimado bezeichnete die massenhafte missbräuchliche Kinderarbeit als kriminell. Die UNO hatte 1989 in der Kinderrechtskonvention Kinderarbeit verboten. Obwohl alle Staaten diese Konvention unterzeichneten, sieht die Praxis leider anders aus.

Die Schokofirmen und die Politik haben die Schokofair Kinder als UNICEF Junior Botschafter Deutschlands direkt angesprochen, ob im Bundestag oder jetzt in der Mitarbeit beim Forum nachhaltiger Kakao. Schokofirmen und Politik setzen zur Verbesserung auf nachhaltig zertifizierte Waren. Man setzt vor allem auf die mittlerweile weit verbreiteten Siegel wie UTZ Certified und Rainforest Alliance.

Diese Siegelbetreiber fördern die Bauern durch Schulungen, damit sie bessere Ernten erzielen können. Der Haken dabei ist aber, dass die Bauern davon nichts haben, wenn der Kakaopreis ständig sinkt. Allein in den letzten acht Monaten fiel der Preis über 600 US-Dollar. Die Schokofairs sind nur von GEPA und Fairtrade zertifizierten Schokoladen überzeugt, die aber leider nur 3,6 % des Anteils auf dem Markt ausmachen. Bei GEPA und Fairtrade bekommen die Kakaobauern einen Mindestabnahmepreis (derzeit z.B. 3500 US-Dollar/t bei GEPA) garantiert, zusätzlich eine 200 $ Fairtradeprämie z.B. für soziale Dorfprojekte, eine Abnahmegarantie und Kleinkredite).

Von der Politik sind die Schülerinnen und Schüler sehr enttäuscht. 2014 wurde man im Bundestag sogar von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller empfangen, der zusagte einen Gesetzentwurf der Kinder zu prüfen. Euer „Schoko-TÜV ist absolut berechtigt und eine gute Forderung“, sagte er 2014 wörtlich. Ähnlich wie bei Gesetzen und Strafen im Straßenverkehr gehen die Kinder davon aus, dass freiwillig wenig auf die Einhaltung der Regeln geachtet würde. So sollten im Schoko-TÜV-Gesetz alle Firmen verpflichtet werden, ihre Lieferketten zu nennen und wenn deutsche Firmen im Ausland bei der Verletzung der Kinderrechte erwischt werden, sollte es auch Strafen geben. Bisher kann man nur sagen: „Bitte hört auf damit.“ Daraus wurde nichts.

Als die Schokofairs 2016 wieder im Bundestag vorsprachen, wurde nur auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Firmen gesetzt. Der Schoko-TÜV-Gesetzentwurf wurde noch nicht mal in den Gremien wie dem Beirat für nachhaltige Entwicklung beraten und abgestimmt.
Der Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek versprach im Bundestag den Schokofairs damals Hilfe (http://www.rp-online.de/…/schokofairs-sind-von-der-politik-…). So wollte er sie der CDU-Fraktion vorstellen. Nun warten die Schokofairs seit letztem Dezember darauf, dass er sein Versprechen hält.

Einige Zuhörer beim „Treff 118“ kennen Herrn Jarzombek und wollen ihn nun an sein Versprechen erinnern. Die Schülerinnen und Schüler wollen jedenfalls weitermachen. Die Kinder helfen Kindern Aktion der Schokofair Initiative kam bei den Zuhörern sehr gut an und wurde mit viel Beifall belohnt.
Zum Schluss gab es noch eine Überraschung. Die Schokofairs führten eine Schokoladenverköstigung mit ausgesuchten GEPA und Fairtrade Schokoladen durch. Die Idee dabei ist, dass auch faire Schokoladen sehr gut schmecken und vor allem „auch emotional besser“.