AllgemeinAus dem Unterricht

Die Q2 besucht die Ausstellung „Nach Hitler“

Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ (im Haus der Geschichte, Bonn, 4.11.25)

mit den Kursen Pädagogik (GK & LK), Geschichte (GK & ZK) – Q2

Wie geht eine Gesellschaft mit einer Vergangenheit um, die so belastet ist wie die Zeit des Nationalsozialismus? Seit fast 80 Jahren versuchen Menschen in Deutschland, Antworten auf diese Frage zu finden. Zwischen Verdrängung, Schuldgefühlen, Aufarbeitung und auch Gleichgültigkeit verändert sich der Blick darauf von Generation zu Generation.

Wir besuchten die Ausstellung „Nach Hitler“, da sie diesen Wandel sehr eindrücklich zeigt. Sie beginnt mit der NS-Diktatur und dem Zweiten Weltkrieg und erzählt anhand konkreter Beispiele, wie unterschiedlich Menschen mit dieser Vergangenheit umgegangen sind. Besonders eindrucksvoll war z.B. die Geschichte der Hitler-Büste, die die Bildhauerin Hedwig Maria Ley geschaffen hatte: Nach 1945 wurde sie im Garten vergraben, aber heimlich wieder ausgegraben und bis in die 1980er-Jahre im Wohnzimmer eines Verwandten des Gärtners ausgestellt. Dieses Beispiel macht deutlich, wie groß die Spannbreite zwischen Verdrängung und offener Auseinandersetzung war.

Während große Teile der älteren Generation nach 1945 vor allem schwiegen und ihre eigene Verantwortung kaum thematisierten, stellte die 68er-Generation genau dieses Schweigen infrage. Sie prangerte Verbrechen, Mitläufertum und fehlenden Widerstand an – das führte zu starken Konflikten innerhalb von Familien, war aber auch ein entscheiden-der Startpunkt für die systematische Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Ausstellung zeigt diese Entwicklungen anhand von persönlichen Geschichten, Zeitzeugenberichten und medialen Darstellungen wie der Serie „Holocaust“, die damals große Wirkung hatte.

Warum das alles gerade für uns heute wichtig bleibt, zeigt sich jeden Tag: Rechtspopulismus, Extremismus, Antisemitismus und Rassismus sind weiterhin präsent. Die Frage, wie wir mit der Vergangenheit umgehen, ist deshalb direkt verbunden mit der Frage, wie wir unsere Demokratie schützen und erhalten können. Der Umgang mit der NS-Zeit und die Vergangenheitspolitik von BRD und DDR sind im Fach Geschichte abiturrelevant. Darüber hinaus hat uns der Be-such der Ausstellung aber auch Einblicke gegeben, wie Erinnern funktionieren kann – und warum es nie einfach abgeschlossen ist.

Im Pädagogik-Grund- und Leistungskurs haben wir uns im Vorfeld intensiv mit dem abitur-relevanten Thema Erziehung im Nationalsozialismus beschäftigt. Der Besuch der Ausstellung bot uns die Möglichkeit, aus pädagogischer Perspektive zu prüfen, inwiefern Adornos Forderung nach einer „Erziehung nach Auschwitz“ heute noch aktuell ist. Besonders wert-voll war dabei, dass die Ausstellung zeigt, wie verschiedene Generationen mit der NS-Vergangenheit umgegangen sind, denn gerade diese historischen Lernprozesse können Hinweise darauf geben, wie auch zukünftige Generationen Erinnerung gestalten sollten und welche Konsequenzen sich daraus für unser eigenes pädagogisches Handeln ergeben.

Frau Immelmann, Frau Stratmann und Frau Bauer